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Stadt Salzburg - Kindheit und Jugend

Josephus Franciscus Mohr wurde am 11. Dezember 1792 als Sohn der Strickerin Anna Schoiberin und des desertierten Musketiers Franz Mohr (Moor) in der Stadt Salzburg geboren. Seine Vorfahren stammten aus Mariapfarr im Lungau (Vater) und Hallein (Mutter). Mohrs Taufpate war der Salzburger Scharfrichter Joseph Wohlmuth, der sich bei der Taufe von einer Franziska Zachin vertreten ließ. Da der kleine Joseph ein lediges Kind war, erhielt er den Namen seines Vaters. Seine Mutter hatte insgesamt vier uneheliche Kinder. Mohr wohnte 1794 im zweiten Stock des Hauses Steingasse 31 und nicht - wie bisher angenommen - im Haus Steingasse 9. Der bisherige Irrtum ist auf die fälschliche Zuordnung der Hausbeschreibung "Nöstler Haus" (Nöstler=Nestler=Sattler) der Volkszählung 1794 zur späteren Adresse zurückzuführen. Das "Nöstler Haus in Stain Viertl" kann durch den Namen des in der Volkszählung 1794 genannten Hausbesitzers, Joseph Gruntner (Maurer), eindeutig der heutigen Adresse Steingasse 31 zugeordnet werden. Der Steingasse 9 entspricht die Hausbeschreibung zum "Hutterer Haus in Stein im Unterbruckviertel".Haus Steingasse 31, Stadt Salzburg Wohnort von Joseph Mohr um 1794

Der Salzburger Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle ermöglichte dem talentierten Joseph den Besuch des Akademischen Gymnasiums. Zugleich ist Mohr als Sänger und Violinist an den Chören der Universität und des Benediktinerstiftes St. Peter tätig. Zwischen 1808 und 1810 studierte er Philosophie am Lyzeum des Benediktinerstiftes Kremsmünster (Oberösterreich). Von 1810 bis 1811 ist er wieder in Salzburg - am Lyzeum. 1811 tritt er schließlich ins Priesterseminar ein, das er am 21. August 1815 mit der Priesterweihe abschließt. Da er von unehelicher Geburt war, mußte ihm bei seinem Eintritt ins Priesterseminar die Ordinariatsdispensation gewährt werden.

Leben als Priester - Eine WanderschaftJoseph Mohr -
Wie er wirklich ausgesehen
hat, wissen wir leider nicht!

Die erste offizielle Dienststelle von Mohr war Mariapfarr im Lungau (Koadjutor, 1815-1817) - der Geburtsort seines Vaters. Kurze Zeit verbrachte er 1815 zur Aushilfe in Ramsau bei Berchtesgaden, wo er infolge eines Verwandtenbesuches weilte. Aus dem Lungau, wo er 1816 den Text von "Stille Nacht!" schrieb, kam Mohr 1817 wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nach Salzburg zurück und trat im gleichen Jahr seinen Dienst in Oberndorf an. Mohrs Dienstorte wechselten bis 1827 häufig: Kuchl (Koadjutor, 1819-1820), Golling (Koadjutor, 1820-1821), Vigaun (Koadjutor, 1821-1822; Aushilfe in Adnet und Krispl), Anthering (Koadjutor, 1822-1824; Aushilfe als Vikariatsprovisor in Koppl), Eugendorf (Koadjutor, 1824-1827), Hof (Vikariatsprovisor, 1827), Hintersee (Vikariatsprovisor, 1827-1828; Vikar, 1828-1837) und Wagrain (Vikar, 1837-1848).

Oberndorf - "nicht erbauliche Lieder" und "Stille Nacht!"

Ab August 1817 half Mohr bei Pfarrprovisor Josef Kessler in Oberndorf aus. Im Oktober 1817 erhielt er die offene Stelle eines Koadjutors. Neuer Pfarrprovisor wurde zu dieser Zeit Georg Heinrich Nöstler. Da in der erst 1816 von Laufen abgetrennten und neu errichteten Pfarre Oberndorf kein Pfarrhof bestand, hatte Mohr ein Zimmer im Mesnerhaus bei der Kirche bezogen und verköstigte sich in den umliegenden Gasthäusern. Das Verhältnis zwischen Nöstler und Mohr war aufgrund finanzieller Probleme in der Pfarre gespannt. Nöstler warf Mohr die Vernachlässigung seines Dienstes, Gasthausbesuche, das Scherzen mit Personen des anderen Geschlechts und das Singen "oft nicht erbaulicher Lieder" vor. Der Dechant von St. Georgen als Vorgesetzter und die Oberndorfer Honoratioren bestätigten aber die Haltlosigkeit dieser Anschuldigungen.Mesnerhaus, Oberndorf bei Salzburg
Hier wohnte Mohr 1817-1819

In Oberndorf trafen sich die Lebenswege von Mohr und Gruber. Zusammen schufen sie "Stille Nacht! Heilige Nacht!" und ließen es im Rahmen der Mette 1818 erstmals erklingen. Bereits im September 1819 verließ Mohr Oberndorf wieder, in Richtung Kuchl.

Hintersee - erste selbständig verwaltete PfarrePfarrkirche Hintersee

1827 kam Mohr nach Hintersee, das im folgenden Jahr zu einem Vikariat aufgewertet wurde. Diese Pfarre war die erste, die er selbständig verwalten konnte. Als er die Pfarre übernahm, hatte er 272 Katholiken zu betreuen, in seinem letzten Jahr waren es 293. Während seiner Tätigkeit bescheinigte man ihm Leutseligkeit, Friedensliebe und Popularität. Trotz dieser positiven Bewertungen leitete man 1834 gegen Mohr eine Untersuchung wegen nachlässiger Erfüllung der Berufspflichten ein. Die Anschuldigungen erwiesen sich als nicht gerechtfertigt und Mohr wurde rehabilitiert.

Wagrain - Wirken als SozialreformerGrab von Joseph Mohr in Wagrain

Nach Hintersee geht Mohr 1837 nach Wagrain. Dort zeichnete er sich durch sein sozialreformerisches Wirken aus. Der Bau eines Schulhauses ging auf seine Initiative zurück. Bereits im Winter 1837/38 sammelten die Wagrainer Baumaterial. Der Neubau erfolgte im Sommer und im November 1838 konnte die Schule eingeweiht werden. Mohr kümmerte sich weiters um den Aufbau der Armenpflege. Er bekämpfte vor allem die Härten des "Einlegerwesens". Dieses sah vor, daß Arme und Alte von Bauernhof zu Bauernhof wanderten und jeweils für gewisse Zeit verpflegt wurden. 1843 bewarb er sich um die Pfarre Mauterndorf, blieb damit aber erfolglos. Ein in diesem Zusammenhang ausgestelltes Zeugnis bescheinigte ihm hervorragende seelsorgerische Arbeit. Am 4. Dezember 1848 verstarb Joseph Mohr an einer Lungenlähmung.

Literatur:

Dem Textdichter des Weihnachtsliedes "Stille Nacht! Heilige Nacht!" Joseph Mohr zum 150. Todestag am 4. Dezember 1998. Salzburger Museumsblätter, Nr. 10, 59. Jg., Dezember 1998.- Salzburg 1998. Joseph Mohr. Ein Lied - Ein Leben. Der Textdichter des Weihnachtsliedes "Stille Nacht! Heilige Nacht!". Hg. vom Kulturverein Blaues Fenster.- Wagrain 1998. Spies, Hermann: Über Joseph Mohr, den Dichter von "Stille Nacht, heilige Nacht" (Salzburg 1792-1848). In: Mitteilungen der Salzburger Gesellschaft für Landeskunde, Bd. 84/85, 1944/45, S.122-141. Spatzenegger, Hans: "Oft nicht erbauliche Lieder". In: Salzburger Nachrichten, 12./13. Dezember 1981. Spatzenegger, Hans: "Refugium peccatorum" - Mohr in Hintersee. In: Blätter der Stille-Nacht-Gesellschaft, Folge 1, 1980, S.5-7.